Und täglich grüsst das Murmeltier! Wie in der beliebten Komödie mit Bill Murray fühlt man sich wenn es um das Thema Brexit geht – immer wenn es zu einer entscheidenden Abstimmung kommt, steht am Ende eine Verschiebung nach hinten. Ein Resultat dieser Neverending Story ist, dass das Thema aktuell das Tagesgeschehen an den internationalen Kapitalmärkten kaum noch beeinflusst. Ganz ähnlich sah es in den letzten drei Monaten an den Whiskysammlermärkten aus.

Der von der schottischen Rare Whisky 101 Ltd. berechnete marktbreite APEX-1000 Index für Whiskyraritäten legte in den letzten 3 Monaten bis zum 30. September 2019  um rund 4% zu, was auch in etwa dem Zugewinn seit Jahresanfang entspricht. Deutlich höher fallen wie bereits in den letzten Quartalen beobachtet die Zugewinne bei Abfüllungen aus Japan aus – der Japanese 100 Index legte seit Januar um 20% zu und eilt von einem Allzeithoch zum nächsten. Getragen wird diese Entwicklung im Besondern von den großen Drei – Yamazaki (+14%), Karuizawa (+27%) und Hanyu (+20%).

Bei den schottischen Destillerien ergibt sich ein eher differenziertes Bild. Die in den letzten Jahren sehr stark gestiegenen Abfüllungen von Macallan stagnieren seit einigen Monaten im Preis bzw. sind sogar mit einem Quartalsrückgang von 3,3%  leicht rückläufig. Auch bei den Whiskyikonen Port Ellen und Brora üben sich die Sammler in Zurückhaltung – im Moment überwiegt die Skepsis der Phantasie in Bezug auf die geplante Wiederbelebung der beiden Lost Distilleries. Einen deutlichen Preissprung von fast 10% im 3. Quartal machten die Abfüllungen von Rosebank, seit Jahresbeginn sind die Preise der beliebten Lowland-Destillerie um ein Drittel angezogen. Angemerkt an dieser Stelle sei allerdings, dass der Rosebank-Index gerade einmal aus 12 verschiedenen Abfüllungen besteht und somit außergewöhnliche Auktionsergebnisse an den Sekundärmärkten schnell zu Kurssprüngen in die eine oder andere Richtung führen können.

Auch im dritten Quartal fanden zahlreiche neue Releases am Whiskysammlermarkt statt. Auch hier das gleiche Bild wie in den letzten Monaten: Gefragte Abfüllungen werden unabhängig vom Preisniveau in kürzester Zeit am Markt platziert, die Nachfrage ist ungebrochen und scheint eher noch weiter anzuziehen. Als Beispiel seien hier neben dem Ardbeg Supernova 2019  z.B. der Brora 40  zum 200jährigen Jubiläum der Destillerie sowie der älteste jemals abfgefüllte und von Gordon&MacPhail an den Markt gebrachte Dallas Dhu aus 1969 genannt.

Das dritte Quartal hat in Summe keine großen Veränderungen an den Whiskysammlermärkten gezeigt. Die Negativzinsproblematik der Kapitalmärkte wird in den nächsten Monaten weiterhin den Fokus der Anleger auf den Bereich der Sachwerte wie z.B. Whiskyraritäten lenken und für eine weiter robuste Nachfrage und einer damit verbundenen positiven Wertentwicklung sorgen – dies ist der einhellige Konsens aus Gesprächen von Tim Tünnermann, Geschäftsführer der Whisky Investments GmbH, mit führenden Whiskyexperten und Fachleuten aus Schottland. Aus Sicht des Sammlers dürfte ein Brexit jedweder Art langfristig weiter anziehende Preise bedeuten, dennoch wird die in Zukunft mehr und mehr die richtige Auswahl und Zusammenstellung einer Sammlung an Bedeutung gewinnen um an zukünftigen Wertsteigerungen zu partizipieren.