Mit ein wenig Abstand wollen wir noch einmal den Blick zurückrichten auf die Entwicklung der Whiskysammlermärkte im Jahr 2019. Das politische Umfeld war das ganze Jahr hinweg geprägt von dem Hin-und-Her rund um das Thema Brexit, eine endgültige Entscheidung in diesem Thema sollte dann schließlich doch erst zu Beginn des aktuellen Jahres fallen. Gänzlich unbeeindruckt von den Verwerfungen in der europäischen sowie der globalen politischen Situation erreichten über den Globus hinweg die Aktienmärkte neue Höchststände und brachten den Investoren zweistellige Renditen.

Für Whiskyraritäten als Anlageklasse war das Jahr 2019 wechselhaft und von Nervosität geprägt. Neben den politischen Unsicherheiten und den damit verbundenen wirtschaftlichen Risiken hörte man nach den phänomenalen Zuwächsen der letzten Dekade immer öfter das Wort von der Preisblase unter den Sammlern kursieren. Mit der letzten Auktion des Jahres stand zwar fest, dass der breite Markt  Whiskysammlerflaschen abgebildet durch den Rare Whisky 101-Apex 1000 Index auch im Jahr 2019 wieder um 7.2% zulegen konnte, allerdings offenbart ein Blick in die Details, dass an der einen oder anderen Stelle durchaus auch Preisrückgänge zu verzeichnen waren:

So konnten im schottischen Markt weder z.B. die Malts von Macallan (-0.5%), der Sammlerikone schlechthin, noch die Abfüllungen der Islay-Legende Bowmore (-6.5%) positive Wertzuwächse verzeichnen. Auch die Sammler der begehrten Lost Distillery Abfüllungen von Port Ellen und Brora mussten teils zweistellige, prozentuale Preisrückgänge im letzten Jahr verkraften. Positiv hervorzuheben sei an dieser Stelle Rosebank – die Originalabfüllungen, von denen in der Anzahl auch nur wenig am Markt verfügbar sind, konnten sich nach einem großen Preissprung im vierten Quartal im Preis fast verdoppeln -die Sammler sehen sich der bevorstehenden Wiederaufnahme der Produktion entgegen!

Ungebremst positiv hingegen entwickelten sich die Malts aus Japan, dem Land der aufgehenden Sonne. Durch die Bank weg zogen die Preise der großen Destillerien wie Suntory, Karuizawa und Hanyu um mehr als ein Drittel an. Der sehr enge Markt und die immer weiter vorschreitenden Abkehr von Altersangaben bei japanischen Whiskies dürfte seinen Teil zu dieser Entwicklung beigetragen haben.

Ebenfalls im Jahr 2019 zu beobachten war das extrem hohe Aufkommen an Releases im High-End-Bereich. Kaum eine Destillerie von der nicht eine sehr seltene oder sehr alte Abfüllung am Markt platziert wurde. Kein Wunder, denn besonders im High-End-Bereich war die Nachfrage nach seltenen Abfüllungen – auch getrieben durch die immer mehr an vermögende Kunden weitergereichten Negativzinsen – höher als je zuvor.

Zusammenfassend bleibt zu sagen: das Jahr 2019 war ein Übergangsjahr, in dem Übertreibungen im Markt abgebaut aber auch neue Preisniveaus gefestigt wurden. Das Interesse an Single Malt Whisky als Sachwertanlage in Zeiten von negativen Zinsen und Rekorden an Aktienmärkten ist ungebremst hoch und nimmt weiter deutlich zu. Die prozentual zweistelligen Wertzuwächse der Vergangenheit können nicht ohne weiteres in die Zukunft fortgeschrieben werden, aber die positiven Vorzeichen für eine Fortsetzung der Erfolgsgeschichte an den Whiskysammlermärkten sind gegeben und lassen uns optimistisch in das Jahr 2020 und darüber hinausschauen.

Aus aktuellem Anlass: Aufgrund der Coronavirus Pandemie -die China schwer trifft- kommen wieder teure Raritäten zum guten Preis auf den Markt. Dies könnte kurzfristig zu einem sinkenden Preisniveau sorgen, auf der anderen Seite aber auch zu Wiederverfügbarkeit von Abfüllungen, die es lange nicht mehr zu kaufen gab – eine wichtige Info für alle Interessierten, die Tim Tünnermann von seiner letzten Asienreise aus Gesprächen mit Whiskykontakten aus Singapur sowie Thailand mitgebracht hat.